Burnout oder Boredout?

Das Thema hat jetzt nicht direkt was mit Akademikern zu tun, ich stelle es aber trotzdem mal hier ein.

08. April 2009
Burnout oder Boredout?

Hallo,

das Thema hat jetzt nicht direkt was mit Akademikern zu tun, ich stelle es aber trotzdem mal hier ein.

Immer mehr Menschen klagen über das Syndrom "Burn-out". Sie fühlen sich schlapp, überlastet und beruflich gestresst und unter Druck gesetzt. Mittlerweile scheint aber ein neues Phänomen in den Vordergrund zu rücken: bored-out!

Viele fühlen sich auf der Arbeit gelangweilt, nicht Wert geschätzt oder schlicht unterfordert. Der 8-Stunden-Tag zieht sich wie Kaugummi. Man versucht aber stets äußert beschäftigt zu wirken, um nicht den Anschein zu vermitteln, man wäre überflüssig bzw. hätte nix zu tun (es könnte ja der Chef sehen).

Wie sieht es bei euch aus? Fühlt ihr euch mehr burnedout oder boredout? (oder keins davon) Was versucht ihr dagegen zu unternehmen?
08. April 2009

Bisher habe ich noch gar nicht gewusst, dass es auch ein "boredout" gibt.

Das Problem bei mir im Job war, dass ich wohl von einem Extrem ins andere geknallt bin. Anfangs war ich für mehrere Projekte gleichzeitig verantwortlich, hatte Überstunden ohne Ende und wusste nicht mehr, wie lange es noch dauert, bis ich anfange zu kreischen, da ich überarbeitet war... Und dann kam die Phase, wo die Projekte weggefallen sind und ich nicht wusste, wie ich die 8 Std. rum bekomme. Beides ist sehr unangenehm.

Was ich persönlich dagegen getan habe: ich habe an meiner Sichtweise und an meiner Einstellung gearbeitet. Ich habe die Arbeitssituation nicht auf mich persönlich bezogen, sondern als gegebene Situation angenommen und kam dadurch gut damit zurecht.
08. April 2009
Bored out ist

schrecklich - hab ich zum Glück nur bei der Bundeswehr gehabt *ggg*
08. April 2009
Bored Out

...kenne ich. Im Moment arbeite ich als Aktienhändler, dort gibt es kaum einen Bored Out, aber aus der Vergangenheit ist mir das bekannt. Es gibt Positinen, die sind in der Stellenausschreibung anders beschrieben als sie wirklich sind, aber: Kannst Du das System nicht ändern, solltest Du Deine Einstellung ändern. In diesem Sinne: Was Neues suchen oder das Beste draus machen!

Grüße.--
08. April 2009
Ich glaub, ich hab beides ;)

Ja, ist das nicht schrecklich? Der ständige Wechsel zwischen Stress und Leere. Ich hoffe, ich kann bald in Vorruhestand oder Altersteilzeit, es macht einfach keinen Spaß mehr....
08. April 2009
Beides möglich

Ich habe beides kennengelernt, gerade in der IT kann es ein Segen und ein Fluch zu gleich sein.

Jeder muss selbst entscheiden wie lange er sich einer solchen Situation aussetzen möchte.

Überstunden können genauso belastend sein wie langweiliges rumsitzen. Der gesunde Menschenverstand sollte früher oder später zur Lösung führen: Love it - change it oder leave it.
08. April 2009
@ Batima Vorruhestand?

Insofern du nicht bei deinem Alter getrickst hast, denk ich dass es etwas früh ist um jetzt schon die Tage zu "glücklichen" Rente zu zählen.

Persönlich mag ich das Gefühl unter Strom zu stehen. Wenn die Kerze dann in ein paar Jahren abgebrannt ist, dann kann ich wenigstens von mir behaupten intensivst gelebt zu haben.
08. April 2009
Buchtipp

hallo zusammen,

zum thema boreout gibt es auch ein gutes buch:
diagnose boreout von philippe rothlin und peter werder

wenn ich an meine berufsjahre zurückdenke, so kenne ich glücklicherweise nur wenige phasen, die richtung burnout tendierten. ich war immer froh, wenn ich viel zu tun hatte und erfolgreich war.
was ich jedoch immer mal wieder erleben musste, waren phasen der langeweile. führte dazu, alles und alle in frage zu stellen und mich perspektivlos zu fühlen. durch einen jobwechsel konnte ich dem entrinnen und nun habe ich endlich die gestaltungsfreiheit und selbstverantwortung die ich brauche, um zufrieden arbeiten zu können.

es ist sicher so, dass man versuchen sollte, den veränderungshebel bei sich anzusetzen. doch bin ich der meinung, dass die prämisse "love it - change it - leave it" nicht für alle von uns funktioniert. oftmals gibt es doch eine vielzahl von zwängen, die veränderungswünsche stark erschweren. man sollte sich davon nicht unterkriegen lassen und mit etwas geduld weitermachen. irgendwann tut sich immer eine möglichkeit auf, nur sollte man es nicht übers knie brechen oder einfach nur kopflos flüchten.

lg,
franconian
08. April 2009
Kenne ich...und zwar extrem...

...ich gehöre ja zu den Prekarisierten... von Kunst allein kann frau ja nicht leben - und knechte seit vier Jahren als "Dialog Agentin" einen Teil meines Lebensunterhalts. Da hab ich beides: extremen Stress und gleichzeitig Monotonie im Arbeitsablauf - so ähnlich stell ich mir Fließbandarbeit vor...
09. April 2009
Rumsitzen oder kein Land sehen

Gegen Bored-out gibt es ein ganz klares Heilmittel: ein erfüllendes Hobby oder eine Nebentätigkeit.
Gegen Burnout hilft meines Erachtens nur die Einstellung von Personal - bis man von denen so viele hat, dass sie sich langweilen *smile*

Die Gefahr, ein Burnout zu erleiden, ist reziprok zur Verantwortung im Job - also einfach mal Verantwortung abgeben. Ansonsten sollte man sich immer die Frage stellen, ob man arbeitet, um zu leben oder lebt, um zu arbeiten.
Wenn das klar ist, gibt es auch kein Burnout.

Gegen beides hilft übrigens eine klare Tagesstruktur und Wissen darüber, wieviel Zeit für Arbeitsschritte erforderlich sind. Ein vernünftig geführtes Telefonat dauert eben 10 Minuten, ebenso wie eine fundierte e-mail-Antwort.
09. April 2009
Es brennt, bei mir eindeutig...

Als einer derer auf die wohl einige der alten deutschen "Tugenden" zutreffen, will ich ja im Beruf auch "gestalten". Das geht nur mit der Übernahme von Verantwortung. An die wirklich interessanten Jobs kommt man dann wenn man halt nicht zu oft nein sagt...

Und dann gibt es noch die Konzerne die im Wettbewerb auf Teufel kom raus Kosten drücken wollen... aber die Themen hatten wir hier schon im anderen Thread...

So gesehen sind dann 20% über tarifliche Arbeitszeit, und das unter Vollfdampf für mich schon "normal" und ich denke das wird die nächsten zehn Jahre auch so bleiben... bis dahin hoffe ich meine Nachfolger aufgebaut zu haben und dann langsamer zu treten... Mal sehen was die Zukunft da bringt.

Was ich hier bei diesem Thread allerdings vermisse, ist eine Umfrage mit einer kleinen Grafik, wie verteilen sich die Symptome in der Gruppe. Auch interessant wäre es zu wissen ob es in anderen Gruppen genauso zugeht....

Aber nun lasse ich es, sonst fang ich trotz Urlaub wieder an zu "arbeiten" *ggg*

In diesem Sinne ein herzliches servas die Buam, Busserln die Maderln

*kuss2* *kuss2* *kuss2*

LG Uwe

*huhu*
16. April 2009

Bored out? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und ich bin eigentlich sehr überrascht, dass dieses Thema bei Akademikern auftritt. Wenn "nichts zu tun ist", dann suche ich mir etwas - etwas was ich neu lernen kann, wo ich "forschen" kann, bei dem ich neues lerne.

Ist das nicht gerade das, was einen Akademiker von jemanden mit einer "normalen" Ausbildung unterscheidet?
16. April 2009
Idee

seine Arbeit einfach in den Gastgarten verlegen. Die Vorteile liegén klar auf der Hand; der Taint wird frischer, die Laune besser und die Kunden die man zu sich an den Tisch bittet, sind sicherlich entspannter!

Und gegen die Langeweile hilfts ganz sicher..nun einfach;
Augen auf!!
(die Mädels schweben einem förmlich durchs Gesichtsfeld) *cocktail*
10. Mai 2009
Bored Out - Zu einfach

Zu einfach dahin gehend, an seinem Arbeitsplatz zu verweilen und darauf zu warten, dass jemand die Arbeit bringt und im günstigsten Fall, dass die Arbeit von selbst kommt.

Es gibt in jeder Berufsgruppe, in jeder Branche und in jeder Führungsebene (von der kleinsten ganz unten bis ganz nach oben) Arbeitsabläufe und Tätigkeiten. Davon gibt es dann mal mehr oder weniger, mal als geballte Ladung und mal Häppchenweise.

Aber wo steht den geschrieben, dass der Arbeitnehmer (und ich rede jetzt bewusst von Nehmern und nicht Selbstständigen) wartet bis er seine Aufgaben erteilt bekommt? Und sich bis dahin langweilt....

Im Gegenteil ist es doch die Pflicht des Arbeitnehmers, sich selbstständig und eigenintiativ in sein Unternehmen einzubringen. Gerade in Leerlaufzeiten, kann der einzelne hier die Chance ergreifen und "Altlasten" entsorgen. Wer kennt nicht die "alten Hunde", die man vor sich hinschiebt, weil diese so unbequem zu bearbeiten und abzuschließen sind. Das wäre eine Möglichkeit.

Eine andere ist, dass sich der Arbeitnehmer bewusst an Dinge des Unternehmens heran geht und diese mal gründlicher erforscht. Sich mit beispielsweise den jährlichen Zahlen und Berichten auseinander setzt. Lesen und Begreifen und dann versteht man oft schon viel mehr, warum z.B. das Budget straffer gehalten wird oder warum es kein Urlaubsgeld gibt oder wie es grundsätzlich wirtschaftlich und finanziell um das Unternehmen steht.

Ich persönlich gehe soweit, dass ich es auch als eine Pflicht sehe, dass sich jeder einzelne eigeninitiativ weiterbildet. Genau in diesen Leerlaufzeiten hat man die Möglichkeit, Kurse und Seminare zu belegen (intern oder extern). Mann kann auch im Selbststudium übers www sich Wissen und Sachverhalte aneignen, die einem später nur nützlich sein können.

Ich kenne das selbst auch von Kollegen. Die sitzen da und starren Löcher in die Luft, putzen zum x-male ihren Schreibtisch, surfen durch Ebay und andere Online-Shops und die Raucherpausen werden auch zunehmenst mehr. Das wurmt mich ein wenig, denn die sitzen eben da und warten bis ihnen was in den Schoß geflattert kommt.

Und dann behaupten diese Leute/Kollegen nörglerisch ihnen wäre ja sooooooo langweilig......Da kann ich nur sagen: Selber Schuld! Jeder ist seines Glückes Schmied! Und ein Schmied der keine Aufträge hat, der überlegt sich, wie er wieder zu neuen Aufträgen kommt!
11. Mai 2009
Nicht alle sind...

...mit einem Job gesegnet, der einem dauerhaft Spass macht...trotzdem hat man keine Alternative, denn man braucht Jahre um dorthin zu kommen, wo man selber geglaubt hat, stehen zu wollen bzw. wo die Firma einen haben will. Fleckendeckende Job-Rotation wäre da eine Lösung, allerdings lehnen die Unternehmen dies ab, bis auf für die Spitzenführungskräfte...Zu viel haben sie in der Ausbildung des Mitarbeiters/Spezialists "investiert" ... und der Mitarbeiter kann oft nicht so einfach in eine risikoreichere Zukunft springen, für die Famile muss wohl weiterhin gesorgt werden...Also viele Faktoren, die eine Pauschalbeurteilung erschweren.

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