![]() | 11. Juni 2011 Neues Wahlsystem Angeregt durch unseren tollen Politikunterricht haben mein bester Freund Erik und ich vor 25 Jahren ein neues Wahlsystem erfunden. Damals war es eine jugendliche Grille, aber wenn ich drüber nachdenke, so fällt mir bis heute kein besseres Wahlsystem ein. Leider. Die Grundidee ist denkbar simpel. Jeder Bürger erhält eine Stimme als demokratische Grundversorgung. Darüber hinaus haben wir jedoch ein gestaffeltes Stimmen-System ausgedacht, demzufolge die Anzahl der Stimmen pro Wähler auf bis zu maximal 5 gesteigert werden kann. Und zwar abhängig vom Verständnis für politische Zusammenhänge. Wir gingen damals davon aus, dass jemand, der z.B. erklären kann, wie unsere Demokratie funktioniert oder nach welchem Prinzip - beispielsweise - die Bundesversammlung zusammengesetzt wird, größeren Einfluss haben sollte, als jemand, der nie über das Niveau von Stammtischparolen hinaus gekommen ist. Schließlich werden Wahlen bis heute immer noch viel zu sehr auf der Basis von Bauchgefühlen entschieden. Um das neue Wahlsystem objektivierbar zu machen, dachten wir an einen Demokratietest - vergleichbar einer Führerscheinprüfung, die ja auch jeder ablegen muss, der sich auf deutschen Strassen bewegt. Die Einwände dagegen waren uns natürlich auch von Anfang an klar: Elitarismus, intellektueller Dünkel usw. Gleichwohl denken wir nach wie vor, dass die Vorteile die Nachteile eindeutig überwiegen, denn es ist doch besser, wenn Sachverstand reagiert, oder sehe ich das falsch? Kurzum: Was haltet ihr von unserer Idee? Ist das nicht ein sachlicher Ansatz, um der Kompetenz wieder zu mehr Gewicht zu verhelfen und den Popularismus ein wenig in die Schranken zu weisen? Könnte diese Form des Wahlsystems nicht letztlich auch der Politikverdrossenheit entgegen arbeiten? |
![]() | 11. Juni 2011 Halte absolut nichts davon... Politische Themen sind immer heikel zu diskutieren und ich führe diese Art von Diskussion lieber mündlich und direkt aus, um Missverständnissen vorzubeugen, aber jetzt eben mal schriftlich. Warum sollte jemand "vernünftiger" oder "besser" wählen, der weiß, wie eine Demokratie funktioniert, weil er es irgendwo auswendig gelernt hat, als jemand, der die Demokratie nicht bis ins letzte Detail kennt, aber dafür wirtschaftliche, nationale und internationale Abhängigkeiten von politischen Entscheidungen....?!?! Daneben: Wie soll das objektiv gemessen und bewertet werden, welches Wissen jemand hat und wieviel Stimmen er dafür erhält?!?! Soll der Wissensstand vor jeder Wahl von jedem Bürger neu gemessen werden, um unter Berücksichtigung von Weiterbildung immer die richtige Anzahl von Stimmen zuzuweisen?!?! Kann bereits ein 12-jähriger wählen, weil er etwas über Demokratie gelernt hat?!?! Ich halte absolut nichts von der Idee |
![]() | 11. Juni 2011 @Single vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe mich vielleicht ein wenig kurz ausgedrückt, weil wir unser System ja auch intern sehr intensiv diskutiert haben und all die jetzt von dir gebrachten Einwände - wie gesagt - erörtert haben, so dass all die Kinderkrankheiten des Systems, auf die du uns jetzt zurecht hinweist, längst gedanklich abgestellt haben. Kurz: Natürlich geht es nicht um auswendig gelerntes Wissen, sondern um begreifen von Zusammenhängen. Politischen wie auch wirtschaftlichen und gesellschaftlichen. Möglichst breites Wissen, das vor jeder Wahl natürlich neu bestimmt werden muss. Jetzt z.B. wäre dringend etwas zum Thema Atomausstieg in der Prüfung. Selbstverständlich kann man diese aber objektiv feststellen. Soll der Wissensstand vor jeder Wahl von jedem Bürger neu gemessen werden, um unter Berücksichtigung von Weiterbildung immer die richtige Anzahl von Stimmen zuzuweisen?!?! Ja, natürlich. Da reicht ja ein simples Prüfungsverfahren, wie wir Akademiker es ja aus vielen Kontexten an der Uni kennen. Und um noch einmal den Führerschein-Vergleich zu bemühen: Man lässt doch auch nur diejenigen auf die Strasse, die die Regeln verstehen. Warum sollte es also bei der Wahl anders sein? LG, -gats! |
![]() | 11. Juni 2011 Ja, natürlich. Da reicht ja ein simples Prüfungsverfahren, wie wir Akademiker es ja aus vielen Kontexten an der Uni kennen. simple ist da gar nichts, weil es ein soooooo komplexes Feld ist, dass man das Verständnis nicht mit einem Fragebogen umfassend und vor allem nicht der Thematik gerechtwerdend, erfassen kann. Und um noch einmal den Führerschein-Vergleich zu bemühen: Man lässt doch auch nur diejenigen auf die Strasse, die die Regeln verstehen. Warum sollte es also bei der Wahl anders sein? Wenn Du vor jeder Wahl 50.000.000 Wahlberechtigte nach Wissensstand befragen möchtest: Bitte, aber dann kommt kein Wahl mehr zustande, weil das nicht durchgeführt und nicht finanziert werden kann. Mit Zettel und Stifft ist es vom Aufwand her nicht möglich, mit IT erreichst Du höchstens 50% der Wahlberechtigten (dürfen die anderen dann nicht wählen ?!?!) Sorry, aber nochmal: das geht nicht und ich halte nichts davon! |
![]() | 11. Juni 2011 Super Idee... Die Defizite des aktuellen Sysrems sind ja bekannt, die sogenannte Schwarmintelligenz ist mir auch überaus suspekt. Siehe 1933, siehe schweizer Minarettstreit etc. Die Theorie dass die Abstimmung vieler Unwissender zu einer weisen Entscheidung führt ist Quatsch. Auch denke ich, dass die Gefahr, die Unterprivillegierten könnten ihre Interessen auf diese Weise weniger zur Geltung bringen nicht existent. Schließlich sind die Fürsprecher der weniger Gebildeten regelmäßig durchaus geblidet. Ich denke die Demokratie ist lebendig und braucht ständige Weiterentwicklung. Dazu brauchen wir solche Ideen. Ein anderes Defizit ist m.E. die Verantwortungsfreiheit mit der sich die Beamten bewegen. Vom Lehrer bis zum Regierungschef.... wäre auch mal so ein Thema. |
![]() | 11. Juni 2011 @gats: Kurzum... ... halte ich von Eurer Idee nichts. Mehr kann ich dazu nicht sagen. |
![]() | 11. Juni 2011 Argumentationsschwaches Schneckchen... Mehr kann ich dazu nicht sagen. Das ist trist. Warum dann nicht einfach mal den Mund halten, wenn man eh nichts zu sagen hat? |
![]() | 11. Juni 2011 @gats Gut, dann sage ich eben ein wenig mehr dazu und zwar mit Churchill: Die Demokratie ist die beste aller schlechten bekannten Regierungsformen. Sorry, es passt doch auch keine Supermarkt die Preise an die Kaufkraft der Käufer an, obwohl das technisch möglich wäre. |
![]() | 12. Juni 2011 Politisches "Grundwissen", wie es in der Schule gelehrt und in schicken amtlichen Broschüren verbreitet wird, ist hoffnungslos veraltet. So haben z. B. gleich zwei Kanzler eine "Vertrauensfrage" mit voller ABSICHT verloren, um Neuwahlen herbeizuführen. Wenn ich mir jetzt den Artikel 68 GG anschaue, so finde ich das gar nicht da drin. Und wie ist es mit den etablierten Parteien, die schön alle Institutionen und Verwaltungen mit ihren Leuten durchsetzen, wenn sie erstmal an der Macht sind? Staatsamt und Parteifunktion werden vom selben Schreibtisch aus abgearbeitet, wie praktisch. Ups ... auch das steht gar nicht im Grundgesetz. Ist aber Tatsache. Und was willst du jetzt abfragen, das Kleingedruckte in der Verfassung oder die Wirklichkeit, die sich hinter den Kulissen abspielt? Außerdem: Ein Wahlrecht ohne Gleichheitsgrundsatz - das hatten wir vor 100 Jahren schon mal. Willst du dahin zurück? Meinen Glückwunsch. |
![]() | 12. Juni 2011 "freie, gleiche, geheime, demokratische Wahl" ...und drei davon könnten wir dann streichen. Frei - macht es mich nicht, wenn mein Nachbar fünfmal so viel Einfluss hat wie ich, bloß weil mich der theoretische Politikkram nie interessiert hat. Ich will einen Volksvertreter, und der soll sich in dem Kram auskennen. Gleich - ist schon gleich vorbei. Unterschiedliche Stimmgewichtungen sind gefährlich, unrepräsentativ, manipulierbar (Wer vergibt denn die Stimmenanzahl?) und schlecht fürs Image. Geheim - als ob das verborgen bliebe, wer wieviel Stimmen hat. Und selbst wenn, Annahmen würden immer getroffen. Als Fünfstimmler möchte ich nicht in die Verkehrskontrolle eines Einstimmenpolizisten kommen, dem die böse intellektuelle Linke gerade den Etat gekürzt hat. Ob das dann überhaupt noch demokratisch zu nennen wäre, ist fraglich. Es ist ein nettes Gedankenspiel, Gats, aber ich halte es nicht für umsetzbar, u.a. aus oben genannten Gründen. Wer sich wirklich politisch interessiert, der hat Möglichkeiten der Einflußnahme - ob durch Engagement, oder durch Stammtischrundenausgeben. Das ist weniger reglementiert, erfordert auch gewisse Sachkenntnis, und ist sozial akzeptiert. |
![]() | 12. Juni 2011 Eine sehr interessante Idee und ganz sicher nicht umzusetzen... aber ein schönes Gedankenspiel. Churchill: Die Demokratie ist die beste aller schlechten bekannten Regierungsformen. Darüber hätte ich ja zu gerne mit dem "Dicken" diskutiert... |
![]() | 12. Juni 2011 Aristokratie vs. Demokratie Dass jeder alkoholisierte Depp die gleiche Stimme hat wie ein Politologie-Prof, scheint erstmal gegen das allgemeine, gleiche etc. Wahlrecht zu sprechen. Darum immer wieder solche Diskussionen. Ich finde es auch ok, stets zu überlegen, was man noch verbessern könnte an unserer unfertigen Demokratie. Soviel blabla vorweg. Eins muss klar sein: Wenn man einen Wahlführerschein einführt, egal wie konkret ausgestaltet, verläßt man den Boden der Demokratie. Man führt ein politisches System ein, in dem nicht alle gleich mitbestimmen dürfen, sondern in dem einige "gleicher" sind. Die verlockende Idee, politische Mitbestimmungsrechte an Kenntnisse und/oder Denkfähigkeit zu koppeln, ist eine Variante des politischen Systems, in dem "die Besten" regieren sollen. Das nennt man seit Platon (einem Gegner der Demokratie übrigens) "Aristokratie". In der Theorie kann man da viel Schönes dran finden (siehe Platon, Aristoteles ff.). Ich bin Pragmatiker und schau gern, was die Empirie lehrt, in diesem Fall die Historie. Und da stelle ich fest, dass alle noch so schönen Edel-Herrschaften, die ich kenne, schon nach wenigen Jahrzehnten in eine miese Klüngelherrschaft münden, die von Standesdünkeln, Vetternwirtschaft und Ausbeutung des "gemeinen" Volkes nur so strotzen. Da ersetzt dann Einbildung die Bildung, dumpfer Inzest die edle Zuchtwahl, und da systemimmanent kein anderer Regentenwechsel vorgesehen ist, muss eine blutige Revolution den ganzen Mafiabetrieb beseitigen. Schon der alte Aristoteles hat das beobachtet: Jede Regierungsform artet aus - die Aristokratie eben in Oligarchie. Insofern habe ich ganz grundsätzliche Bedenken. Konkrete Bedenken habe ich, was die Ausgestaltung der erforderlichen "Prüfungen" betrifft. Da liegt doch nahe, dass die "5er" rasch übereinkommen, dass genau IHRE Ansichten, Einschätzungen, Wertvorstellungen es sind, die besonders rational, vernünftig, gebildet sind und einen somit in den Stand versetzen, "5er" zu sein. Das zementiert betsimmte Inhalte und soziale Schichten. Genau das wollen wir nicht in einer offenen Gesellschaft. Genau das verhindert Fortschritt. Darum: Nein. Lieber den Depp mitwählen lassen als sowas. |
![]() | 12. Juni 2011 Das Problem unserer Demokratie liegt nicht im fehlenden Basiswissen der Wähler bzw. Bevölkerung. Unser Hauptproblem liegt in der Art und Weise, wie die gewählten Politiker und Politikerinnen mit dem ihnen übertragenen Amt umgehen. Unsere Politiker aller Couleur haben in der Vergangenheit mehr und mehr das System des Abzocken und der Vorteilnahme übernommen (siehe Lobbyarbeit). Minister schwören zwar bei Amtsantritt: "Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe." Die meisten Minister aber sind meineidige Mandatsträger. |
![]() | 12. Juni 2011 selten so was Dummes gehört sorry - aber das ist der größte Bullshit den ich je gelesen habe. Wer definiert denn, was das "richtige" Demokratieverständnis ist. Unsere Ansichten sind IMMER von unserer Umwelt und unserem sogenannten "Werteempfinden" abhängig. Ob diese jedoch immer "Korrekt" sind, weiß keiner. Man erinnere sich an Herrn Filbingers Aussage "Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein" zu seiner Rolle als NS-Richter Was heute kulturell, intelektuell oder gesellschaftlich anerkannt ist, ist morgen schon wieder überholt, bzw. weiterentwickelt und war gestern für den Großteil der Bevölkerung inakzeptabel. Da sich unsere Werte jedoch ständig im Wandel befinden, kann solch ein Wahlsystem nicht funktionieren, da es, bis die Befragungen ausgearbeitet sind, schon nicht mehr dem aktuellen Werteempfinden entsprechen ! Ausserdem sollte man evtl. auch daran denken, dass es in unserer Welt eine sehr große Anzahl Menschen gibt, die ihre ganze Zeit und Energie darauf verwenden müssen, das tägliche Überleben iher Familie zu sichern, als sich um so theoretische Weisheiten wie Demokratieverständnis zu kümmern. Diese werden damit dann noch mehr bestraft. Wer garantiert denn übrigens, dass diejenigen, die ein ausgeprägtes Demokratieverständnis haben, auch zum Wohle der Allgemeinheit wählen. Schon heute wählt der Großteil doch die Parteien, die für ihn persönlich den größten Vorteil bringen - und wer garantiert dafür, dass diese bei einer Befragung die Wahrheit sagen ? Kurz und gut - ne nette Idee einiger Schüler oder Studenten, die sich im Laufe eines Abends nach dem Konsum einigen Flaschen Alkoholika und der einen oder anderen Zufuhr "bewusstseinserweiternder Hilfsmittel" zustande gekommen sein dürfte. |
![]() | 13. Juni 2011 Elitärer quatsch, dein Statement in deinem Eingangsposting zeigt mir schon auf, dass du deine politische Meinung, der der Stammtischbrüder als überlegen ansiehst. Demokratieverständnis mangelhaft. Wir hatten auch einen Politiklehrer an der Schule, der der Meinung war es gibt immer zwei Sichten: eine Konservative und eine Richtige! |